„Musik ist universal.“
Dies ist keine Floskel, sondern bestätigt sich immer wieder. Auch Chorsänger möchten nicht nur sich selbst untereinander beglücken, sondern mit ihrer Musik auch andere an ihren Empfindungen teilnehmen lassen. Das kann Freude, aber auch Trauer oder Mitgefühl sein. Umgekehrt nimmt man die Emotionen, die andere Musizierende ausdrücken, gerne entgegen. Ein Beispiel hierfür ist der „Fanclub“ des GC für die jährlichen Konzerte von Wolfgang Erber in Ottobeuren. Dieses Mal wurden wie immer die Erwartungen nicht enttäuscht, sondern wieder mal getoppt. Doch der Reihe nach:
Mit einem Bus der Firma Rother ging es dieses Mal nicht über die Bodenseeroute, sondern wegen des erwarteten starken Verkehrsaufkommens über Bad Schussenried, wo in einer Brauereigaststätte die Möglichkeit zum Mittagessen bestand. Die Routenänderung hatte sich bewährt. Ohne irgendeinen Stau erreichten wir die uns bekannte Pension Mozart in Ottobeuren. Es war dann genügend Zeit, sich auszuruhen, für das Konzert sich frisch zu machen und bei netten Unterhaltungen noch eine Kleinigkeit im Klostercafé zu sich zu nehmen.
Das Konzert war dieses Mal nicht in der Basilika, sondern im Kaisersaal. Auch wenn wir durch viele Vorinformationen von Wolfgang Erber auf die Veranstaltung eingestimmt waren, wurden unsere Augen doch größer, als wir den prunkvollen Saal betraten. Für uns waren optimale Plätze reserviert. Unser Dirigent ließ es sich nicht nehmen, uns im Saal persönlich zu begrüßen und drückte seine Wertschätzung auch dadurch aus, dass er für uns als Platzanweiser tätig war.
Passend für den Beginn war eine Ouvertüre zu hören, nämlich die zur Oper Freischütz von Carl-Maria von Weber. Es war eine Wonne, zuzuhören und auch zuzuschauen, wie Wolfgang und das Orchester zusammenwirkten.
Was dann folgte, ist in Worten auch nicht ansatzweise auszudrücken. Ich versuche es als Nichtexperte dennoch. Das Publikum genoss das Konzert Nr. 1 für Marimbaphon und Streichorchester von Emmanuel Séjourné. Die Musik ist ebenso von der westlichen klassischen Tradition wie von der Pop-Kultur, sei es Jazz, Rock oder außereuropäische Musik beeinflusst. Es waren rhythmische Elemente mit romantischen Passagen, Vertrautes mit Befremdlichem verarbeitet. Über der nach meiner Empfindung eher ruhigen Grundlage des Streichorchesters ragte die Darbietung des jungen Virtuosen Raphael Diesch mit dem xylophonartigen Instrument Marimba hervor. Es war eine Ohrenweide, ihm zuzuhören, wie er rhythmisch und dynamisch die verschiedensten Musikstile beherrschte. Insbesondere nach Solostellen war ich versucht, wie bei einem Jazzstück Zwischenbeifall zu spenden. Eine Augenweide war es, ihm zuzusehen, mit welcher Selbstverständlichkeit er selbst schwierigste Stellen meisterte und ihm dabei noch ein Lächeln für die Orchesterleute und den Dirigenten möglich war. Da ich vermute, dass auch die Mitwirkenden im Streichorchester von der Darbietung des Virtuosen begeistert waren, hoffe ich, dass man es mir nachsieht, dass ich den Solisten besonders hervorhebe.
Hätte Wolfgang mit diesem Stück das Konzert beendet, wäre dies unfair gegenüber dem gesamten Orchester. Auch wenn die 4. Sinfonie von Robert Schumann aus der Zeit der Romantik nicht so spektakulär wie das Konzert für Marimbaphon ist, waren die Leidenschaft und die Perfektion, mit der das Orchester und Wolfgang die Komposition darboten, bis in die Fußspitzen zu spüren. Zu Recht wurde das Engagement aller Mitwirkenden mit fulminantem Beifall gewürdigt.
Beseelt vom Erlebten beschlossen wir den Tag bei einem Dämmerschoppen in der Pension. Obwohl für den Sonntag ein weiteres Konzert in Ulm auf Wolfgang wartete, nahm er sich die Zeit, uns beim Frühstück in der Pension zu besuchen. Das war für uns eine besondere Ehre. Wohl niemand hätte es ihm übel genommen, wenn er keine Zeit hierfür gefunden hätte.
Nicht so spektakulär wie die Musik verlief die Heimfahrt. Wie bei der Hinfahrt hatte unser Busfahrer Markus Moser dankenswerterweise in seiner ruhigen und unaufgeregten Art eine staufreie Route mit schönen Ausblicken, z. B. auf die Burg Hohenzollern bei Hechingen ausgesucht. Nach einer Rast in einem Biergarten in Alpirsbach kamen alle voll mit Eindrücken über das Erlebte nach Hause zurück.
Ohne mannigfaltige Vorbereitungen wäre der schöne Tag nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank an Wolfgang Erber für seine Organisation in Ottobeuren und seine vielfältigen Vorinformationen. Besten Dank auch an Hannelore. Sie hat die Fahrt nicht nur organisiert, sondern auch das eine oder andere nicht vorhersehbare Problemchen an den beiden Tagen souverän gemeistert.
07.06.2026 Leonhard Mußler



